Zwischen Image und Aufklärung

Datum: 
14.11.19 to 16.11.19
Konferenztitel: 
Zwischen Image und Aufklärung: Public Relations, Wirtschaftsjournalismus und Unternehmen im Deutschland des 20. Jh.
Konferenzbeschreibung: 

 

Gutenberg Workshop und AKKU-Jahrestagung 2019 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Organisiert von: PD Dr. Bernhard Dietz, Jun.-Prof. Dr. Eva-Maria Roelevink und Prof. Dr. Tanjev Schultz

Anfang der 1960er Jahre verschickte Georg-Volkmar Zedtwitz-Arnim eine Denkschrift an die Vorstände der großen deutschen Unternehmen. Schon im Titel steckte die zentrale Botschaft: Kommunikation sei die „vordringliche unternehmerische Führungsaufgabe“. Denn die „Masse“ reagiere in ihrer Meinungsbildung emotional, und eben das sei „gefährlich“. Das bedeute für die westdeutschen Unternehmen nämlich, dass sie nicht mehr, wie ehedem, eine unmittelbar wirkende Argumentation entsenden könnten, die ohne Veränderung von der Presse publiziert würde und so öffentlich rezipiert würde. Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit, so die Schlussfolgerung von Zedtwitz-Arnim, müsse deshalb „systematisch organisiert werden, um in neuer Form zum alten Wirkungsgrad zu kommen.“ Das geschehe „durch methodische Meinungspflege. Durch Public Relations.“ (Denkschrift: Graf Zedtwitz-Arnim: Public Relations für die Wirtschaft. Denkschrift, Frankfurt a.M. 1962).

Zedtwitz-Arnim war mit seinen Ausführungen ziemlich erfolgreich, nur wenig später wurde er Leiter der Stabsabteilung Information des Krupp-Konzerns. Wirklich bemerkenswert ist aber etwas Anderes: Zedtwitz-Arnim verstand Public Relations als wechselseitigen Kommunikationsprozess, an dem sowohl die Unternehmen mit ihrer spezifischen Zielsetzung als auch die „freie Presse“ maßgeblich beteiligt waren. Gleichzeitig aber stellte er die „freie Presse“ in einen scharfen Gegensatz zur „Public Relations“ und deutete damit ein Spannungs- und auch Konfliktfeld über die öffentliche Deutung ökonomischer Akteure an, über das bisher nur wenig bekannt ist. Denn tatsächlich ist die Ausdeutung der Wirtschaft „zwischen Image und Aufklärung“ in der Forschung bisher kaum berücksichtigt worden. Daher möchte sich die Tagung mit der Frage befassen, mit welchen Motiven und Strategien sich die Unternehmen und ihre Verbände der Öffentlichkeit stellten und welche Rolle dabei der ökonomische, soziale und mediale Wandel einnahm. Geprüft werden soll, inwiefern sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine spezifische Wirtschaftsöffentlichkeit entwickelte und welche Rolle dabei Unternehmen, Wirtschaftsverbände, PR-Agenturen, Wirtschaftsjournalismus, aber auch (Wirtschafts-)Historiker spielten.

Im Rahmen der Tagung sollen das Kommunikations- und potentielle Konfliktdreieck zwischen Unternehmen, Public Relations und Journalismus interdisziplinär in den Blick genommen werden.